⭐ 5. Dezember

⭐ Wohnhaus mit Bewohnern von Deichschaf

Ich hatte immer schon von einer Villa geträumt. Schon in der Schule, als ich neben dem faszinierenden Jungen mit den wunderbar langen Locken saß, mit dem ich so überhaupt nichts gemeinsam hatte außer der Tatsache, dass wir beide schnell wütend wurden. Ich verlor ihn und auch die Villa leider aus den Augen, bis vor einigen Monaten.

Da gab es ein Klassentreffen und er war auch da. Wir hatten beide schon ein ganzes Leben hinter uns und immer noch nichts gemeinsam, aber wir beschlossen spontan, den Rest unserer Zeit zusammen zu verbringen. Und zwar in einer Villa. Gut, das mit den herrlichen Locken hatte sich erledigt, aber bei mir saß ja auch nicht mehr alles so wie in meiner Jugend.

‚Geräumige Villa in neuem Seniorenparadies zu verkaufen‘ lautete die Anzeige, die uns hierher gebracht hatte. Der Preis war extrem günstig gewesen.


Aber hätten wir denn ahnen können, dass man uns nach Strich und Faden betrogen hatte?


Da wäre doch jeder drauf reingefallen, oder?


Wir gingen rein. Wie in einer echten Villa gab es einen Kamin, immerhin. Auch wenn alles andere arg schäbig war.


Aber der Computer war fast neu und das Radio spielte Tanzmusik. Meine Laune stieg.


Mattis testete das alte Bett.


Ich inspizierte die Küche und beschloss, aus dem, was ich im Kühlschrank gefunden hatte, einen Obstsalat zu machen.


Das waren doch Äpfel, oder?


Unsere erste Mahlzeit im neuen Zuhause.


Mattis beschloss, den Haufen alte Möbel im Garten zu verbrennen.


Wir schauten in die Flammen.


Es war nicht so, wie wir es uns erträumt hatten, aber wir hatten ein Zuhause. Und wir hatten uns. Wer braucht schon eine Villa?




Download Josefa Möchte-Gern und Mattis Will-Nicht
Download Geräumige Villa

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